Hose, Kleid, Decke, Plüschhase:

Gemeinsam näht es sich leichter

»Gut gebügelt ist halb genäht.«  Das ist nicht der einzige Ratschlag den Monika Zimmer für ihre Besucherinnen auf Lager hat. Eigentlich hat sie so viele davon in petto, dass die Maßschneiderin das ge­sammelte Wissen aus ihren rund 40 Jahren Berufserfahrung weitergeben möchte. Aus diesem Grund hat sie im Februar diesen Jahres in der Mainzer Neustadt ein Näh-Café aufgemacht.

Damit folgt Zimmer einem Trend, der sich seit einiger Zeit über ganz Deutschland ausweitet. In Paris begann die Welle zum Selber nähen, in Berlin gehören die Näh-Cafés inzwischen zum Stadtbild und in Mainz gibt es inzwischen auch mindestens drei. Eines davon ist Moni's Nähtreff in der Sömmeringstraße - das älteste Näh-Café der Stadt.

Omas Zeiten - Ganz modern

An sich klingt die Idee altbacken und bekannt. Man fühlt sich gleich an die Näh-Kränzchen aus Omas Zeiten erinnert. Stimmt fast, aber eben nicht ganz. In den Näh-Cafés wird der seit Jahren anhaltende Trend zum Selbermachen nur auf eine neue Stufe gestellt. Ganz nach dem Motto »Es gibt immer was zu tun« - nur das hier eben nicht Hammer und Säge zum Einsatz kommen, sondern Nadel und Faden.

Wo man sich beim klassischen Näh-Kränzchen einmal in der Woche getroffen hat, um gemeinsam zu arbeiten, zu tratschen und Kaffee zu trinken, trifft man sich heute, wann immer man Zeit hat, um kreativ zu sein, den Geldbeutel zu schonen oder das Gefühl zu genießen, etwas selbst gemacht zu haben - und eine Tasse Kaffee bekommt man auch. Was gibt es schöneres, als einer immer der neuesten Mode entsprechenden Freundin auf die Frage: »Wo hast Du denn das gekauft?« sagen zu können »Selbst gemacht!« Genau darauf hat Monika Zimmer gebaut. Ihr Atelier ist großzügig und hell, mit allem bestückt, was man braucht, um sich ein eigenes Abendkleid zaubern zu können.

Vom Zuschneidetisch bis zum Profi-Bügelbrett, vom Nadelkissen bis zum Maßband, von der Garnspindel bis zur Industrie-Nähmaschine. »An der sitze aber meistens ich selbst«, erklärt Zimmer. »Nur die wenigsten wissen damit umzugehen, die ist einfach zu schnell.« Ihre Kundinnen kommen mit den verschiedensten Wünschen und Voraussetzungen.

»Wer möchte kann hier einfach nur eine Nähmaschine buchen, kann einen meiner Nähkurse besuchen oder sich von mir ein Kleidungsstück maßschneidern lassen - alles ist möglich.«

Der Sinn und Zweck eines echten Näh-Cafés ist allerdings, dass Nähen zu lernen und dann das Gelernte umzusetzen. »Ich biete an mehreren Tagen die Woche Nähkurse an, die etwa 2,5 Stunden dauern. Dabei lernt man vom Umgang mit der Nähmaschine bis hin zu den verschiedenen Nähten alles Wichtige«, weiß Zimmer. »Wer möchte kann sich danach eine Fünfer- oder Zehnerkarte holen und an meinen Nähmaschinen arbeiten.« Mit so einer Karte erkauft man sich aber nicht nur das Recht auf einen Platz an der Maschine.

Man kauft sich auch Rat und Tat. »Das ist eben das Tolle hier«, freut sich Eva-Marie Elzer, eine der Stammkundinnen von Moni's Nähtreff. »Wenn man nicht weiter weiß kann man einfach nachfragen. Eine der anderen oder Monika selbst wissen auf jeden Fall die Antwort.« Selbst wenn man hier nicht im Nähkurs war und eine eigene Maschine mitbringt, bekommt man Hilfe. So wie Sandra Schmitt. »Monika konnte mir mit der Patschwork-Baby-Decke nur bedingt helfen. Aber Eva-Maria war sofort zur Stelle, um mir Tipps zu geben.«

Erste Anlaufstelle ist natürlich die »Chefin«. »Manchmal kommen meine Kundinnen mit Schnittmustern aus der Zeitung, bei denen selbst ich nicht genau weiß, was damit gemeint sein soll«, weiß Moni. »Dann krame ich in meinen Erinnerungen aus 40 Jahren als Maßschneiderin, bis ich die Antwort finde. Wer meine Hilfe braucht, muss mich nur rufen.«

Erste Erfolge erleben

Zu Beginn der »Schneiderlehre« sind die Kleider noch relativ einfach und oft für Kinder. So wie bei Christine Korn. Sie sitzt gerade an einer Hose für ihre kleine Nichte Charlotte. Bunt und einfach zu machen - so bekommen die Kundinnen von Monika Zimmer ihre ersten Erfolgserlebnisse recht schnell. Die Fortgeschrittenen wagen sich schon an ausgefallenere Klamotten. »Gerade habe ich meine erste Hose fertig gestellt«, freut sich Elzer.

»Ich bin so stolz.« Den Schnitt hat sie von ihrer Lieblingshose entlehnt, der Kordsamt war nicht allzu teuer und nach einigen Stunden harter Arbeit hat sie ihr privates Designerstück. »Wobei ich das mit der Zeit nicht wirklich festmachen kann. Immerhin habe ich die Nähte dreimal aufmachen müssen.« Dafür, dass bei solchen Pannen keine Frustration aufkommt, sorgt die Herrin des Hauses. Da wird dann auch mal aus dem Nähkästchen geplaudert.

www.monis-naehtreff.de

Daniela Tratschitt

 

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